Der Zug der Kühe
Wir pilgern durch das Zentralmassiv in Frankreich. In dieser Gegend wird vor allem Milch- und Fleischwirtschaft betrieben. Plötzlich wird unser Weg von einem rot-weissen Band gesperrt und wir müssen warten. Weiter vorne steht ein grosser Tiertransporter. An uns vorbei zieht eine lange, lange Schlange von Kühen, die ergeben und mühselig auf den Transporter zu trotten, der sie ins Schlachthaus bringen wird. Viele dieser Kühe sind abgemagert, haben unversorgte Wunden und sind schmutzig, sie machen einen verbrauchten, traurigen und vernachlässigten Eindruck.
Ich stehe und schaue, es ist furchtbar, mir bricht das Herz. Ich fühle mich ohnmächtig, voller Schmerz. Ich beobachte eine Kuh, der eine Träne über das Gesicht läuft, und denke an eine Augenentzündung.
Als ich auf meiner Arbeitsstelle diese Geschichte erzähle, sagt meine Kollegin, die immer wieder Mahnwache vor Schlachthäusern steht: « Pundarika, Kühe können weinen, sie haben Tränen und manchmal weinen sie, wenn sie ins Schlachthaus gebracht werden. Wahrscheinlich waren das Milchkühe, die ausgedient hatten. Milchkühe bekommen jedes Jahr ein Kalb, das man ihnen wegnimmt, um für unseren Gebrauch die Milch zu nehmen und das Kalb zu schlachten. Nach fünf oder sechs Jahren ist so eine Milchkuh verbraucht und wird geschlachtet. Sie hat in ihrem kurzen Leben viel gelitten unter dem viel zu grossen und immer wieder entzündeten Euter, unter dem Milchstau wenn das Kalb weggenommen wird und unter dem jährlichen Verlust ihres Kindes.»
Diese leidvolle Erfahrung hat mein Bewusstsein tiefgreifend gewandelt. Es reicht noch nicht kein Fleisch zu essen, auch das Konsumieren von Milchprodukten muss neu überdacht werden.
One thought on “Der Zug der Kühe”
Gerne schreibe ich etwas zu diesem Beitrag dazu.
Was ihr gesehen habt mit den Kühen ist ein trauriger Teil der Wahrheit der intensiven Tierhaltung. Es ist mir wichtig zu berichten, dass es in der Biobewegung in der Schweiz und in Deutschland engagierte Bemühungen gibt, Kühe und Rinder mit viel Präsenz, ohne lange Transportwege (Hofschlachtung)zu metzgen. Auch wir auf unserem Hof arbeiten stets an der artgerechten Tierhaltung, die Kälber trinken bei der Mutter oder Amme. Wir sind zufrieden mit niedrigen Milchleistungen, lieber geben wir kein Getreide und freuen uns, wenn die Kühe alt werden. Aber auch wir müssen mal eine Kuh schlachten, das machen wir dann im Nachbardorf.Ja, und das mit dem Essen von Milchprodukten, es ist nötig, es bewusst zu machen. Ueberhaupt, ist das auch bei allen Gemüsen und Früchten so, die Zusammenhänge sind auch hier viel komplexer als man meist denkt. Wir dürfen noch viel lernen…