Kein Krümel geht verloren
Fasziniert betrachtete ich die kleine Grasinsel im Rhein, die sich um einen Pfosten gebildet hatte. Im Vorübergehen hörte ich eine Mutter zu ihrem Kind sagen: die sind jetzt geschlüpft.
Ich entdeckte ein Blesshuhnpaar. Das eine sass auf dem Nest und hatte sein Federkleid schützend ausgebreitet und beugte sich immer wieder hinab, das zweite schwamm eilend hin und her. Ein winziges Schnäbelchen reckte sich aus den Federn empor. Beide zusammen vermittelten mir ein Bild konzentrierter Fürsorge und Zusammenarbeit. Das zweite Blesshuhn, stürzte sich immer wieder in die starke Strömung, sie querend wurde es abgetrieben und ruderte dann mit seinen breiten Füssen kräftig gegen den Strom kämpfend zurück. Diesen Parcours wiederholte es unermüdlich, wobei es im Schnabel etwas zum Nest trug, das für mich unsichtbar war. Und dieses winzige Etwas übergab es sorgfältig von Schnabel zu Schnabel seiner Partnerin. Und sie steckte es mit ebensolcher Sorgfalt passgenau in das hoch gereckte Schnäbelchen. Wie kann das gelingen? Kein Krümel ging verloren. Doch nur, wenn es in der Natur so vorgesehen ist. – Darauf möchte ich vertrauen. Jetzt, in unserer Zeit des Artensterbens. Dass es universelle lebenserhaltende Liebe wirklich gibt, auch für und zwischen uns Menschen.